Sammeln im Frühling
Der Frühling beginnt mit dem schmelzenden Schnee, der als rauschendes Wasser in die Täler fliesst. Mit warmen Tagen, an denen die Sonne scheint, während der kalte Wind noch durch die blätterlosen Bäume bläst. Zarte grüne Blätter drücken sich aus dem Boden oder entfalten sich aus den Knospen an den Stämmen. Und nur wenig später zeigt sich der Frühling in einer erfreulichen Farbenpracht: frische Grüntöne und leuchtende Blüten, soweit das Auge reicht.
Für mich ist dies die schönste Zeit des Jahres – und die beste Zeit, um sich mit dem Sammeln von Wildkräutern zu beschäftigen. So frisch und saftig wie jetzt sind sie nur für kurze Zeit.
Frühjahreskräuter – sanfte Unterstützung für den Körper
Viele klassische Frühjahreskräuter wirken entgiftend und unterstützend für den Körper. Man könnte sagen: Die Natur lädt uns ein, das Frühjahr zu nutzen und dem Körper eine Entgiftungskur zu gönnen. Besonders bekannt sind Brennnessel, Löwenzahn und Bärlauch. Aber auch Gundermann, Vogelmiere und Schachtelhalm eignen sich gut dafür. Und es gibt noch viel mehr Kräuter mit einer entgiftenden Wirkung.
Je nach gesundheitlicher Situation und individuellen Bedürfnissen können diese Kräuter gesammelt und zu einer persönlichen Kur zusammengestellt werden. Die frischen Wildkräuter lassen sich zum Beispiel in einen Smoothie geben, mit einer Frischpflanzenpresse zu Saft verarbeiten oder ganz einfach im Salat geniessen.
Ich empfehle vor einer Kur immer eine Rücksprache mit einer Fachperson. Gerne können Sie auch mit mir gemeinsam eine individuelle Kur zusammenstellen. So lassen sich Überforderungen vermeiden und die Kur kann optimal an die Möglichkeiten Ihres Körpers angepasst werden. Wichtig sind dabei immer: viel trinken und sich ausreichend Ruhe gönnen.
Frühling weckt die Sammellust
Unter der milden Frühlingssonne ziehen sich die letzten Schneeflecken in die munter gurgelnden Bäche zurück, und die Wiesen werden nach und nach grün – und da und dort bereits bunt. Von den ersten Frühlingsboten bis zu den kräftigen Sprossen: Sie rufen nach der Kräuterwerkstatt.
Wer gerne mehr über die Verarbeitung von Heilkräutern lernen will, der ist herzlichen eingeladen an einem der diesjährigen Kräuterkurse mit dabei zu sein. Das Kursprogramm finden Sie hier.
Noch vor den ersten Frühblühern: die Knospen
Die Knospen kommen zuerst. In diesen Pflanzenteilen ist die Veranlagung für die ganz Pflanze vorhanden. Eine Medizin, die die Kraft des Frühlings und das Potentials des ganzen Sommers in sich trägt. Ebenso wie alkoholische Auszüge (bspw. Tinkturen) können auch diese Mazerate gut selbst hergestellt werden.
Zwar nicht jeder Wirkstoff, wie wir ihn in der ausgewachsenen Pflanze haben. Also Achtung die Knospenmedizin ist nochmals etwas ganz eigenes. Deren Einsatzgebiet ist gemäss aktuellem Wissen breit. Da es einen anderen Geschmack hat, als klassische Auszüge, wird es auch in der Kinderheilkunde gerne angewendet.
Wer es noch nicht kennt, sollte unbedingt in einem meiner Kurse die Herstellung von Gemmomazeraten kennenlernen. Wer bereits Erfahrung hat, denkt jetzt vielleicht an Holunder, Himbeere, Weissdorn, Linde oder die schwarze Johannisbeere, die sich oft im eigenen Garten findet. Weiteres Wissen rund um die Knospenmazerate bietet das Buch von Chrischta Ganz und Luis Hutter (2015) über Gemmotherapie. Darin findet sich auch eine Anleitung zur eigenen Herstellung.
Die ersten kräftigen Frühlingspflanzen nicht verpassen
Bald nach den Knospen zeigen sich überall die ersten kräftigen Frühlingspflanzen. Jetzt ist ein wachsames Auge gefragt, denn viele blühen bereits an den ersten warmen Tagen auf und stehen rasch im Samenstand.
Zu den bekanntesten gehören der Bärlauch (Allium ursinum), das Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), der Huflattich (Tussilago farfara), das Duftveilchen (Viola odorata) und das Bingelkraut (Mercurialis perennis). Wie das ganze Jahr finden wir jetzt auch und oft viel mehr von den Gänseblümchen (Bellis perennis). Und auch die Gundelrebe (Glechoma hederacea), das Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) kann man schon sammeln.
Zwar nicht geniessbar aber trotzdem schön sind die vielen Busch-Windröschen (Anemone nemorosa) und wer Glück hat findet auch wilde Frühlingskrokuse (Crocus albiflorus) oder Leberblümchen (Hepatica nobilis).
Zartes Blatt an hohen Bäumen
Wenn die ersten zarten Blätter der Bäume spriessen, beginnt eine besonders reichhaltige Zeit. Kulinarische wie auch medizinische Gründe laden nun zum Sammeln ein. Ein frischer Lindenblättersalat (Tilia platyphyllos) ist sehr zu empfehlen. Auch junge Buchenblätter (Fagus sylvatica) sind schmackhaft.
Für die Hautpflege sammeln wir jetzt die ersten Birkenblätter (Betula pendula). Die jungen Tannensprossen (Picea abies) lassen sich zudem zu einem Honig – einer sogenannten Latwerge – verarbeiten, der bei Erkältungen unterstützend wirkt.
Wenn der Frühling richtig da ist …
Etwa ab Mitte April bis in den Mai hinein erwarten uns weitere Schätze der Natur: Weissdorn (Crataegus oxycantha), Brennnessel (Urtica dioica/urens), Giersch (Aegopodium podagraria), Brunnenkresse (Nasturtium officinale), Gänseblümchen (Bellis perennis), Gundelrebe (Glechoma hederacea), Holunderblüten (Sambucus nigra), Tannensprossen (z. B. Abies alba), Lindenblätter (Tilia cordata), Löwenzahnblüten und ‑blätter (Taraxacum officinale), Hundsrosenblüten (Rosa canina), Stiefmütterchen (Viola tricolor) und Waldmeister (Galium odoratum).
Die Natur bietet uns unglaublich viele Pflanzen – für die Küche, als Medizin oder als dekorativen Schmuck. Diese Aufzählung ist längst nicht vollständig, doch vielleicht inspiriert sie dazu, selbst wieder auf Entdeckungsreise zu gehen.
Blüten – schön, essbar und inspirierend
Im späteren Frühling sind es besonders die Blumen, die uns aus den Häusern locken. Die Schlüsselblume kündigt im zeitigen Frühjahr die Saison an, ihr folgen bis in den Sommer hinein zahlreiche weitere Blüten. Sie sind nicht nur wunderschön anzuschauen, sondern auch essbar und eine Bereicherung in der Küche.
Blüten verschönern Salate, Frischkäse, Gemüsegerichte oder den Kartoffelstock. Auch in Desserts und auf Gebäck sind sie ein Genuss. Verwendet werden können zum Beispiel Veilchen, Schlüsselblume, Gänseblümchen, Löwenzahn, Schlehen‑, Holunder‑ und Kirschblüten. Im Garten finden wir zudem essbare Blumen wie Primeln und Stiefmütterchen.
Auch Blumen aus dem Blumentopf können gegessen werden. Wichtig ist dabei immer, auf die Herkunft zu achten: Wurden die Pflanzen mit Dünger oder Pestiziden behandelt, sind sie nicht mehr zum Verzehr geeignet.
Quellen, Literaturverzeichnis
Fischer, W.K. ( 2005): Kosmos Naturführer. Welche Heilpflanze ist das? Über 400 Heilpflanzen erkennen und anwenden. Franck-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart
Fleischhauer, Steffen Guido / Guthmann, Jürgen / Spiegelberger, Roland (2014): Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen. AT Verlag, Aarau und München.
Ganz, Chrischta / Hutter, Luis (2015): Gemmotherapie. Knospen in der Naturheilkunde. Aarau und München: AT Verlag.
Lauber, Konrad u.a. (2012): Flora Helvetica. Haupt Berne, Germany.














